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Am Himmel die Hölle

Noch nie gab es weltweit so viele Flüge wie vergangenen Sommer. Die Kapazität der Flughäfen erreichte 2018 ihre Grenzen. Fliegen ist zur Normalität geworden. Nur was steckt hinter dieser Normalität?

Zwei Punkte möchte ich gerne aufgreifen:

1)      Fliegen ist hochgradig subventioniert: Es ist die einzige Verkehrsform, bei der keine Mehrwertsteuer aufgeschlagen wird und zusätzlich gibt es keine Steuer auf Kerosin. Da fragt man sich, warum sich der Staat diese lukrative Einnahmequelle entgehen lässt? Sicherlich wird mit den Wirtschaftsfaktoren Tourismus und Geschäftsbeziehungen argumentiert, dazu die hohen Förderungen der Airlines in Drittländern. Jetzt kommt aber mein zweiter Punkt.

2)      Jüngste Forschungen legen nahe, dass die Klimabelastung durch Fliegen viel höher ist als die angenommenen 2% der Kohlendioxid-Gesamtemmission. Die Schadstoffe dringen viel direkter in die Atmosphäre ein und kurbeln so die Erderwärmung viel stärker an, als man bei harmlos klingenden 2% vermuten würde. (Quelle: Die Zeit)

Sieht man in die Zukunft, und der aktuelle Klimabericht lässt da sehr wenig Interpretationsspielraum, wird klar, dass, wenn wir unser Verhalten nicht radikal ändern, es zur Klimakatastrophe kommen wird. Dieses Szenario macht mir zunehmend Angst, die Dürre im Garten meiner Eltern im beschaulichen Oberösterreich kommt mir schon sehr bedrohlich vor. Ich habe vor 15 Jahren schon mehrere Hurrikans in Florida überstanden, die Wucht dieser Naturkatastrophen habe ich jedoch nicht vergessen. Im Sommer 2017 fegte ein Orkan über Tirol. Während wir auf der Terrasse unseres Ferienhaus in Steinberg standen, erlebten wir den Wetterumschwung. Binnen weniger Sekunden konnten wir die Terrassentüren nicht mehr schließen, davor war noch absolute Windstille. Es war beängstigend.

Wollen wir den Menschen weiterhin die Verlockung von Billigflügen schmackhaft machen in dem Wissen, dass das Wetter sich zu unserem Nachteil verändern wird?

Ein grüner Politiker in Deutschland fordert, alle deutschen Inlandsflüge ersatzlos zu streichen. Mit einem Ausbau der Bahn würde das auch in Österreich gut funktionieren. Von Brüssel nach Paris (313 km) rauscht der Thalys in etwas mehr als einer Stunde dahin, welcher Flug könnte diese Geschwindigkeit toppen? Eine schnelle, und vor allem bequeme Alternative.

Dem Ausbau der dritten Landebahn am Flughafen Wien-Schwechat stehe ich also sehr kritisch gegenüber. Unbestritten ist es doch ein Investment, bei dem man nicht weiß, wie lange diese Normalität des Fliegens noch aufrechterhalten werden kann. Bei den nächsten Klimakatastrophen – und sie werden Europa schneller erreichen, als uns lieb ist – wird der Druck der Bevölkerung, sich dem Thema des Klimawandels endlich zu stellen, immens steigen. Wird sich die Politik nicht spätestens dann in Erklärungsnot befinden, warum man den Flugverkehr so stark subventioniert hat? Ist die Zeit des Umdenkens nicht schon längst gekommen oder setzt die Politik doch lieber auf eine subventionierte und vor allem überholte Transportform?

 

Bild: Tom Barrett / Unsplash

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