Erlebte Hotels, Erwartungen an Hotels, Hotelmarketing

Soll ein Urlaub perfekt sein?

Ich durfte vor kurzem bei einer Gesprächsrunde über „The art of beautiful communication“ dabei sein. Ganz tolle Menschen haben sich mit unterschiedlichsten Ideen eingebracht. Viel hat sich dabei ums Storytelling gedreht und wie jeder Mensch seine Wirklichkeit konstruiert. Ein weiteres Thema war, wie künstliche Intelligenz (kurz KI bzw. AI für artifizielle Intelligenz) unsere Lebensweise in Zukunft verändern wird und noch vieles Spannendes mehr. Und plötzlich tauchte eine kleine Frage von Mario Pricken auf und selbst Tage später habe ich noch darüber nachgedacht. Die Frage war: Soll denn Urlaub überhaupt perfekt sein?

Denken Sie über die Frage bitte intensiv nach! „Soll ein Urlaub perfekt sein?“

Hotel Sani Club

Die Tourismusbranche ist geradezu von Perfektionismus getrieben, die Servicequalität wird zunehmend professionalisiert und die Bilder und Geschichten auf diversen Social Media Kanälen zeigen jede noch so schmucke Ecke des Hotels. Überraschungen sind da schon fast ausgeschlossen, teilweise wissen Gäste mehr über das Hotel als die Mitarbeiter/innen und der Gast der Stunde weiß eigentlich schon vor Beginn seiner Reise mit beinahe 100%iger Sicherheit was ihn erwartet.

Gehen wir mal davon aus, dass Ihr letzter Urlaub perfekt war. Alles lief wie am Schnürchen, alles war schön und gut. Sie kehrten erholt zurück und auf die Frage Ihrer Freunde, wie es gewesen war, antworteten Sie prompt: Perfekt!  Übrigens, der Erholungseffekt hält längstens wenige Wochen an, Experten nehmen an, dass der positive Effekt nach einem Urlaub durchschnittlich zwei Wochen erhalten bleibt. Da kann man dann nicht mehr viel erzählen. Vielleicht noch, dass das Wetter traumhaft war, das Hotel wunderschön, das Essen gut und die Landschaft atemberaubend. Aber der perfekte Urlaub hat somit auch seine Kehrseite: es gibt nichts mehr zu erzählen, keine kleinen unvorhersehbaren Pannen oder Malheurs, die doch gerade die Würze in gute Urlaubsgeschichten zaubern.

Unsere Hochzeitsreise beispielsweise war von Pleiten, Pech und Pannen übersäht. Wirklich übersäht, nicht ein einziger Tag unserer einmonatigen Hochzeitsreise lief wirklich gut, immer gab es (ich sage es positiv formuliert) Herausforderungen. Falls Sie sich fragen, was denn um Himmelswillen passiert ist? Am Ende erzähle ich Ihnen noch eine kurze Geschichte.

Jedenfalls so durchwachsen unsere Flitterwochen auch waren, so viele Geschichten gab und gibt es bis heute davon zu erzählen. Heute lachen wir Tränen über manche Situationen und die Leute lauschen gespannt. Es sind wirklich gute Geschichten und sie sind im sozialen Kontext auch äußerst wertvoll.

Beraubt man seine Gäste nicht all der Geschichten, wenn immer alles perfekt ist. Was soll man da bloß als Erinnerung mit nach Hause nehmen? Oder nimmt die Hotellerie diesen Gedanken auf und baut Sollbruchstellen in den Urlaub ein, damit die Gäste Erlebnisse mit nach Hause nehmen können?

Aber Achtung Spoileralarm! Wenn diese Sollbruchstellen in den sozialen Netzwerken verbreitet werden, hat man alle Hände voll zu tun, unendlich viele neue Sollbruchstellen zu kitten.

Flitterwochen

Und hier noch der Exkurs zu unseren Flitterwochen: Wir waren einen Monat unterwegs und jeder von uns hatte zuvor zwei Wochen geplant, 50:50 sozusagen. Die jeweils 14 Tage sollten eine Überraschung für den anderen werden. Unserem Reisebüro haben wir die Infos dann getrennt durchgegeben und die Flüge gebucht. Wir waren zuerst eine Woche in Mexiko, dann ein paar Tage in New York und die letzten 2 Wochen sind wir quer durch Argentinien gereist. Wie gesagt, nicht ein einziger Tag lief ohne Zwischenfall. Der Höhepunkt war sicher der gecancelte Flug von Iguazu nach Salta in Argentinien. Letzten Endes mussten wir uns dann ein Taxi nehmen und 1.500 Kilometer quer durch die argentinische Pampa fahren. Das Taxi und zum Glück auch die Kosten haben wir uns mit einem Schweizer Pärchen geteilt. Ich glaube, wir haben insgesamt 1.200 USD bezahlt. Es blieb uns nichts anderes übrig, denn der Heimflug war von Santiago de Chile und es war auch eine private Tour von Salta nach Mendoza über das Puno Plato gebucht. Also zurück zur Taxifahrt, das Auto war alt, sehr alt. Wenn wir halten mussten, z.B. zum Tanken, dann war Anschieben angesagt, sonst hätte sich da nichts mehr bewegt. Nordargentinien ist aber auch wettermäßig ein heißes Pflaster, nur leider konnten wir während der gesamten Fahrt kaum etwas trinken, denn sonst wären wir Gefahr gelaufen, an Ort und Stelle liegen geblieben zu sein. Wirklich eine sehr entspannte Taxifahrt 😉

Nach gut 21 Stunden in der endlosen Weite der ewig geraden Straßen sind wir dann doch wie durch ein Wunder in Salta angekommen. Und natürlich ging es dann weiter mit unseren Pleiten, Pech und Pannen… Für jede einzelne dieser Geschichten sind wir heute dankbar, doch während wir sie durchmachten, waren sie doch alle sehr nervenaufreibend.

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