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Speak German!

Speak German“ von Wolf Schneider wird Ihr Leben verändern! Sofern Sie nicht älter als 50 Jahre sind und gerne Anglizismen bemühen. Meine liebe Freundin Julia hat es mir so nebenbei empfohlen. Wir beide sind große Wolf Schneider Fans und haben uns über die Jahre gemeinsam mit seinen Büchern in die Kunst des Schreibens eingelesen. Und dann kam dieses Buch. Leichtfüßig erklärt Schneider warum Deutsch die stärkere Sprache ist. Wir sollten also wieder mehr in unserer Muttersprache sprechen.

Die großen Thesen des Buches sind:

  • Deutsch ist von der Feinheit der Sprache mächtiger als Englisch. Unter anderem ist Deutsch eine auf Bildern basierte Sprache – z.B. gibt es eine Unzahl an Möglichkeiten, einen Gegenstand zu „brechen, zerbrechen, zermalmen, zertrampeln, zersetzen, zerlegen“. Alleine die kleine Silbe zer- eröffnet uns ein ganzes Wörterparadies!
  • Deutsch ist manchmal sogar kürzer als Englisch. Nicht immer, aber oft. Es gibt zahlreiche kurze, kraftvolle Wörter, die nicht selten mit starken Emotionen aufgeladen sind: Angst, Blut, Gier, Glück. Gram, Hass, Hohn, Leid, Lust, Mord, Mut, Neid, Pein, Qual, Scham, Schmach, Schmerz, Schrei, Spott, Tod, Trost, Wut und Zorn. Um knapp die Fülle dieser kurzen, starken Substantive zu bemühen.
  • In keine andere Sprache der Welt werden soviele Bücher wie ins Deutsche übersetzt.
  • Für die Mehrheit der englischen Wörter gibt es ein deutsches Äquivalent. Wir benötigen kein „Highlight“, wir haben den Höhepunkt oder das Glanzlicht und auch die „slow motion“ ist ganz simpel die Zeitlupe.
  • Klar gibt es auch englische Worte, die eine deutsche Wortlücke schließen. Brainstorming beispielsweise ist so ein Wort. Die Aktion „Lebendiges Deutsch“ hat auch hier Angebote geschaffen, wie zum Beispiel Grübelplausch oder Synapsen-Tango 😉
  • Kapitel 9 war mein Favorit: In „Stimuliere deine Sinne“ plaudert Wolf Schneider aus dem Nähkästchen als Werbetexter. Nirgendwo sonst wird lieber im Englischen geschwelgt, um sich den Flair von New York City ins Leben zu holen. Übersehen wird dabei allerdings, dass die „coolen Slogans“ einfach nicht verstanden werden. 60% der englischen Werbeparolen werden gar nicht verstanden und bei den restlichen 40% kann man sich auch nicht sicher sein. Viele deutsche Konzerne haben ihre Slogans testen lassen und das Ergebnis war ernüchternd. Die angeführten Beispiele sind lustig und beängstigend zugleich:
Werbespruch Gemeint war Verstanden wurde Daher heißt es jetzt
Douglas „Come in and find out“ Komm rein und
entdecke
Du wirst auch wieder
rausfinden
Douglas macht das Leben
schöner.
Kodak: „Share moment, share life“ Teile mit jemanden die Augenblicke,
das Leben
Scharfe Momente – scharfes
Leben
 
Mitsubishi „Drive alive“ Lebendiges
Fahren
Lebend
ankommen
Heute.
Morgen. Übermorgen
Esso „We are drivers too“ Wir sind auch Autofahrer Wir sind zwei
Fahrer
Packen
wir´s an.

Das Buch öffnet Augen und Ohren. Seitdem höre ich plötzlich überall die Anglizismen in meiner Sprache und in der Sprache meiner Mitmenschen. Seitdem verstehe ich Wolf Schneider viel besser, wenn er sagt: wir nehmen uns selbst Kultur und auch Mächtigkeit weg. Immer alles auf Englisch zu sagen ist mühsam und verschlingt Zeit (wenn nicht für den Sprecher, dann bestimmt für den Zuhörer). Das nimmt uns und unserer Sprache seine Stärke. Deswegen SPEAK GERMAN!

Und was bedeutet das nun für Hotels? Übertragen auf die Hotellerie ist das Thema Sprache natürlich etwas vielschichtiger, weil auch mehrsprachiger, anzugehen. Gerade für Hotels die international agieren ist das nicht immer leicht. Und international (zumindest europaweit) agieren muss heutzutage auch schon die kleinste Pension. Nicht selten ist die Marketingsprache im Englischen viel treffender. Aber für Hotels, die vorwiegend am deutschsprachigen Markt agieren, ist das Wissen um die Mächtigkeit der deutschen Sprache ein großer Gewinn.

Und vielleicht verhält es sich sogar ganz andersrum, als wir meinen. Möglicherweise beginnt für Urlauber beim Anblick deutscher Schlagworte die Reise schon im Kopf. Denn: Transportiert nicht jede Landessprache auch ihr nationales Flair und wird damit nicht auch die Vorfreude auf eine bevorstehende Reise erhöh? In diesem Sinne, mehr Deutsch im Englischen, please 😉

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